Belfast: Bewohner durch rassistische Schmierereien in Wohnungen traumatisiert

Lukas Schneider
15.02.2026 | 14:55

In Belfast sorgt eine Serie von Vorfällen in einem Wohnkomplex in der Alfred Street für Angst und Empörung. Ein aus Indien stammender Familienvater berichtet, dass seine Wohnung wiederholt von Jugendlichen ins Visier genommen wurde - zuletzt mit rassistischen Schmierereien im Inneren des Gebäudes.

Nach Angaben des Police Service of Northern Ireland wurde am Samstag eine Sachbeschädigung in den sogenannten Bass Buildings gemeldet. Unbekannte hätten Mülltonnen beschädigt und eine Wand im Hausflur mit einer rassistischen Beleidigung besprüht. Die Polizei stuft den Vorfall als rassistisch motiviertes Hassverbrechen ein, die Ermittlungen laufen.

Der betroffene Vater schildert, dass die Probleme bereits im September begonnen hätten. Damals seien Jugendliche ins Gebäude eingedrungen, hätten gegen Wohnungstüren getreten und herumgeschrien. Zunächst habe er das als „typisches asoziales Verhalten“ abgetan. Doch mit dem Auftauchen der rassistischen Parolen habe sich die Situation für ihn deutlich verschärft.

Besonders seine beiden kleinen Kinder litten unter den Ereignissen. Sie seien „völlig verstört“ und hätten inzwischen Angst, sich allein in der Wohnung zu bewegen. Selbst der Weg ins Nebenzimmer falle ihnen schwer. Die ständige Unsicherheit belaste die ganze Familie.

Inzwischen denkt der Mann darüber nach, Nordirland zu verlassen. Ursprünglich habe er langfristige Pläne für sich und seine Familie in Belfast gehabt. Doch nach den jüngsten Erfahrungen überlege er, zumindest Frau und Kinder in sein Heimatland zurückzuschicken. Trotz Arbeit, hoher Miete und Steuern fühle er sich im Stich gelassen. Auch seine Frau, die in der Nähe arbeitet, sei verängstigt und habe sogar erwogen, ihre Stelle aufzugeben.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten lebt auch Annu Keshy in Belfast. Die rassistischen Schmierereien machten sie wütend und zugleich traurig. Jeder Mensch habe das Recht, ohne Angst zu leben, sagt sie. Sie arbeite, engagiere sich ehrenamtlich und wolle Teil der Gesellschaft sein. Doch solche Vorfälle verunsicherten viele Menschen.

Ihr Alltag habe sich dadurch verändert: In der Öffentlichkeit spreche sie kaum noch ihre Muttersprache, sondern nur noch Englisch. Sie fühle sich beobachtet und vorsichtiger als früher.